Zwar ist Deutschland noch nicht weltweiter Spitzenreiter was übergewichtige Kinder anbelangt, aber auf dem besten Wege allemal – wenn sich zukünftig nichts ändert. Dabei müsste nicht nur den Kindern von heute gelehrt werden, wie man sich gesund und vernünftig ernährt, sondern auch deren Eltern sollte man sich mal zur Brust nehmen. Denn wie oft werden quengelige Kinder auf der Straße mit süßen Milchbrötchen, Keksen oder Lollis ruhig gestellt?
Wo lernen Kinder dann, wie ein Apfel aussieht, geschweige denn, wie ein Apfel schmeckt? Das muss wohl die Schule sein, haben sich die EU-Abgeordneten in Brüssel gedacht, als sie 2008 den Vorschlag machten, Schulkinder in Grund- und Förderschulen kostenlos mit Obst und Gemüse zu versorgen. Die Idee besagte, dass die EU 90€ Millionen sponsorn wollte, aber weitere €90 Millionen von den Ländern aufgebracht werden sollten. Soweit so gut.
Doch damals noch ahnte niemand, welch kleine Obstysee da auf die Interessierten zukommen sollte.
Der Idee folgte der Beschluss, gefolgt von den Umsetzungsbestimmungen, gefolgt von einer Sachverständigengruppe für technische Beratung. Als nächstes musste das ganze im Bundestag diskutiert werden, dann im Bundesrat, wo es Streit gab, weshalb es eines Vermittlungsausschuss bedurfte. Nun ist das Schulobst Ländersache. Neun von 16 Ländern haben ihre Teilnahme inzwischen wieder abgesagt, weil der bürokratische Aufwand zu hoch sei. Desweiteren können aufgrund nicht ausreichender finanzieller Ressourcen auch nicht alle Schulen versorgt werden.
Dort wo die Obstysee doch noch Wurzeln geschlagen hat, müssen Planstellen für die Verwaltung eingerichtet werden, offizielle Lieferanten müssen auserkoren werden. Und das Obst darf natürlich auch nicht einfach so ausgeteilt werden.
Aber neben dem bürokratischen Aufwand es aber gibt auch Positives zu vermelden. Das Programm ist in ein pädagogisches Konzept eingebunden, um die Nachhaltigkeit zu sichern, z.B. muss gesunde Ernährung in den Lehrplan eingebunden werden und Lehrer und Schüler sollen gemeinsam Obst zubereiten. Dort, wo es bereits ähnliche Projekte gibt, gibt es auch einen Trend zu verbessterten Essgewohnheiten.
Ich finde das Programm im Großen und Ganzen eigentlich echt gut bzw. einen Schritt in die richtige Richtung. Denn es gibt genug Kinder, die zu Hause viel zu selten Obst und Gemüse zu Gesicht bekommen und deshalb die Schule der Ort ist, wo solche Defizite eingeebnet werden können. Allerdings ist es schade, dass dann schon wieder Schulen ausgesiebt werden, weil die Fördergelder nicht reichen. Denen bleibt dennoch die Möglichkeit, selber so ein Programm zu starten oder die schulische Essensversorgung in Richtung gesündere Ernährung anzupassen. Also vielleicht doch keine Obstysee?



0 Antworten bis jetzt ↓
Es gibt keine Kommentare bis jetzt...
Hinterlasse ein Kommentar