Unstrukturiert, überladen und oft von vorgestern – viele Hochschulen laden mit ihren altbackenen und chaotischen Seiten nicht gerade zum Studieren ein. Dabei sitzt kreative und fähige Kompetenz oft im eigenen Haus – in Form der Studenten. Die Potentiale der jungen Bildungselite, die sich im Web oft besser auszukennen scheint als in ihrem eigenen Zimmer, bleibt ungenutzt. Und das ist furchtbar dumm – denn sie sind das Aushängeschild einer Universität und Hochschule.
Hochschulwebseiten richten sich an mehrere Zielgruppen: potentielle Studenten, Studierende und Presse wollen gleichermaßen bedient werden. Ein Publikum, was jung und anspruchsvoll ist. Und doch sind die Webseiten oft einfach nur peinlich. Ihr glaubt das nicht? Ich werde einige Beispiele nennen.
Nehmen wir die Hochschule Mannheim, nicht gerade eine unbekannte Hinterwäldler Klitsche. Und doch vermittelt die Webseite eben diesen Eindruck. Man kann kaum glauben, dass man hier “Gestaltung” und “Informatik” studieren kann. Jede Fakultät hat zudem eine eigene Microseite. Von Corporate Design keine Spur. Die Seiten wirken bis auf wenige Ausnahmen wie ein Relikt aus den späten 90ern, Informationen muss man sich ersuchen. Besonders schlimm: Die Fakultät Wirtschaftsingenieurwesen.
Weiteres Beispiel: Da hat doch tatsächlich die Fachschaft Elektrotechnik der Uni-Parderborn ihre Seite mit einen Foren-Software programmiert. Die URL ist elend lang, ohne die Nutzung von “Lesezeichen” unerreichbar und schnell vergessen: http://www-fs.et.uni-paderborn.de/tiki-view_articles.php. Und die Hauptseite der Uni ist auch nicht so viel besser. Warum das so ist, scheint unerklärlich. Denn auch hier stehen zahlreiche gestalterische und kreative Studienfächer wie Medienwissenschaften, Kunst oder Informatik auf dem Lehrplan. Warum dann nur so ein Webseiten-Chaos?
Ganz gut macht es dagegen die Hochschule Merseburg. Die Seite ist aufgeräumt und stukturiert. Sogar die einzelnen Fachbereiche passen ins Design der Hauptseite. Eine runde Sache, die auf potentielle und aktive Studenten der angebotenen Fächer nicht unbedingt Eindruck macht, dennoch ihren Zweck auf übersichtliche und ansprechende Weise erfüllt.
Das es auch noch besser geht, zeigt die Karlshochschule. Die Zielgruppe “Studenten” wird direkt angesprochen, die Seite wirkt modern, frisch, dynamisch – bunt. Und übersichtlich! Hier wurde erkannt: Das Internet ist DAS Instrument für Hochschulmarketing und nicht als unscheinbares und zu vernachlässigendes Pflichmedium zu verstehen. Vielmehr steckt ein ausgeklügeltes Konzept dahinter, die “Fähigkeiten und Talente der Studenten sichtbar zu machen.” Deshalb nutzt die Karlshochschule nicht nur eine Webseite, sondern auch Soziale Netzwerke wir Twitter, youtube, Facebook und Studi VZ und betreibt sogar ein eigenes Blog.

Webseite Karlshochschule
Jetzt werden wieder einige sagen: “Ja, die Karlshochschule ist ja auch eine private Einrichtung, sozusagen ein als Hochschule getarntes Unternehmen. So eine schicke Webseite kann sich nicht jeder leisten.” Doch was die Karlshochschule kann, könnten auch staatliche Hochschulen und Universitäten, beispielsweise in Form von Studentenprojekten aus den eigenen Höhrsälen. Ein facebook-Eintrag kostet zwar kein Geld, Pflege und Input allerdingsviel Zeit – da ist Manpower gefragt. Ein Aufwand, der sich lohnt. Denn genauso wie Mitarbeiter in einem Unternehmen identifizieren sich Studenten mit ihrer Hochschule. Ein Potenzial, das transpartent gemacht werden sollte.




8 Antworten bis jetzt ↓
1 Jakob Schwichtenberg // Feb 18, 2010 at 22:13
Wow, Wahnsinn wie sehr unsere Hochschule im Gestern leben. Unglaublich peinlich wie ich finde für die Uni Mannheim eine solche Homepage zu präsentieren. Anscheinend hat noch kein Verantwortlicher verstanden wie wichtig das Internet für die heutigen Studenten sind. Sehr gelungene Beispiele und sehr guter Artikel.
Gruss Jakob
2 guenter_krass // Feb 19, 2010 at 11:28
Dazu auch ein interessanter Artikel auf SpOn. Es reicht nicht mehr, eine einigermaßen gute Seite zu haben: Die besten Karriereseiten deutscher Unternehmen. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,678534,00.html
3 Maria_Monte // Feb 19, 2010 at 12:15
Danke schön
4 Patrick Breitenbach // Feb 25, 2010 at 14:07
Vielen lieben Dank für das Lob!
Auch wenn wir tatsächlich eine private Hochschule sind (allerdings gemeinnützig in einer Stiftung) sind unsere Mittel sicherlich nicht viel größer als bei staatlichen Hochschulen. Ich denke man kann schon sehr viel mit den richtigen Leuten und dem Verständnis für das neue Medium erreichen, wobei dieses Verständnis sehr viel tiefer greift, als einfach nur die Hülle sprich die Seitenarchitektur (wobei die Verpackung auch wichig ist). Entscheidend ist wohl eher die grundlegende Organisationskultur. Offenheit für Neues, Mut zur Innovation und das klare Begreifen von Kundenorientierung und damit der Fähigkeit nicht nur zu senden, sondern auch zuzuhören.
Das beinhaltet übrigens auch die grundsätzliche Bereitschaft Fehler machen zu dürfen.
Wir stehen übrigens auch ganz offen für einen Erfahrungsaustausch mit Kollegen anderer Hochschulen zur Verfügung.
5 Tim Berschneider // Feb 25, 2010 at 16:17
Da ich in dieses Projekt stark involviert war, möchte ich noch ein paar Anmerkungen zum Kommentar von Patrick Breitenbach machen.
Ich glaube ebenfalls, dass es nicht nur am Geld liegt, dass staatliche Hochschulen nicht in einen Relaunch der Webseite investieren.
Das Konzept zur neuen Seite der Karlshochschule ist tatsächlich in einem studentischen Projekt entstanden. Die Studierenden waren mit dem alten Internetauftritt unzufrieden und haben sich dafür eingesetzt, dass sich am Design und der Menüführung etwas ändert. Ein Kernteam unter meiner Leitung (damals Student im 5. Semester, Messe-, Kongress- und Eventmanagement) hat dann das Konzept ausgearbeitet und mit der Hochschulleitung abgestimmt. Wichtigster Punkt dabei ist, dass sich die Hochschulleitung auf dieses außergewöhnlich Konzept und die massive Entschlackung der Seite eingelassen hat. Nur so konnten wir unsere Ideen verwirklichen. Ich habe dann auch eng mit der Agentur zusammengearbeitet, die sich für die Umsetzung des Designs und der Programmierung verantwortlich zeigte. Das studentische Team, durch die Anerkennung ihrer Arbeit beflügelt, hat dann auch die Seitenstrukturen mit Inhalt gefüllt.
Der Erfolg dieses Projekts wurde durch das Vertrauen der Hochschule in ihre Studierenden, die unkomplizierte Kommunikation mit der Hochschulleitung und natürlich das Engagement der Studierenden überhaupt erst möglich. Auch wenn ich staatlichen Hochschulen das Vorhandensein engagierter Studierender nicht absprechen möchte sind sie doch in ihrem Aufbau und ihren Entscheidungsprozessen viel komplexer und steifer. Da ich vor der Karlshochschule auch schon an staatlichen Hochschulen eingeschrieben war und meine Erfahrungen in diesen Systemen machen durfte, vermute ich wäre das Projekt so wie es bei uns gelaufen ist dort nur sehr schwer zu realisieren gewesen.
Ich würde mich aber sehr darüber freuen, wenn es auch andere Hochschulen, ob privat oder staatlich, schaffen würden solche Projekte auf den Weg zu bringen.
6 Maria_Monte // Feb 25, 2010 at 18:05
Finde ich super, wenn Studierende so eingebunden werden.
Ich kenne das persönlich nur aus Kleinprojekten. Bei uns an der Hochschule Darmstadt haben wir ein PR-Blog http://www.pr-fundsachen.de aufgebaut, dass von Kurs zu Kurs vererbt und weiterentwickelt wird. Aber auch hier gibt es keine “Komplettstrategie” der Hochschule bzw. eine einheitliche Linie zur Haupseite.
7 Patrick Breitenbach // Feb 25, 2010 at 21:05
@Maria_Monte: Learning by Doing!
Aber PR-Fundsachen kenne ich natürlich als alter Bloghase auch. Sehr schönes Projekt.
8 Uli Kuenzel // Feb 26, 2010 at 02:28
Zwei Anmerkungen zur vorhergegangenen Diskussion:
An der Website der Karlshochschule fällt mir der sehr starke Fokus auf die Zielgruppe der Studieninteressierten auf. Das finde ich grundsätzlich richtig, weil die Anwerbung von Studierenden die Existenz einer Hochschule rechtfertigt und die Ausbildung von Studierenden ihr Primärzweck ist.
Mich würde interessieren, welche Rolle die Hochschulwebsite bei Ansprache und Betreuung anderer Zielgruppen wie Studierenden / Alumni / Wirtschaft / allgemeine Öffentlichkeit spielt bzw. in Zukunft spielen wird. Ich denke insbesondere an Studierende: Das, was man Studieninteressierten gegenüber verspricht, muss ja den Studierenden gegenüber gehalten werden, u.a. um von Word of Mouth zu profitieren. Spielt dabei der Webauftritt der Hochschule eine Rolle oder werden diese Zielgruppen vorwiegend “Face to Face” betreut?
Andere Hochschulen lösen so etwas ja mal mehr, mal weniger gelungen mit Zielgruppenzugängen. Denkbar wären auch separate Portale.
Interessant fand ich auch den Hinweis auf das Karriereseiten-Ranking, schlicht deswegen weil es so etwas ja mit dem jährlichen Ranking “Human Resources im Internet” schon gibt:
http://www.hs-rm.de/dcsm/ueber-uns/personen-im-fachbereich/personalseiten-fb-dcsm/prof-dr-wolfgang-jaeger/studie-human-resources/index.html
Da scheint ein vielversprechender Markt zu sein, wenn sich da gleich zwei Anbieter tummeln.
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