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Jungen – das schwache Geschlecht?

August 11th, 2010 · 6 Kommentare

Jungen werden eher verspätet eingeschult und sind im Lesen oft richtige Nieten. Immer weniger Jungen erwerben die Hochschulreife (Jungen 32,7 % – Mädchen 39,9 %) und manche schaffen noch nicht einmal den Hauptschulabschluss (Jungen 8,5 % – Mädchen 5,5 %). Die Mädchen scheinen die Jungen bildungsmäßig überholt zu haben. Liegt das an der besseren Mädchen-Förderung bzw. an einer Benachteiligung der Jungen? Oder gar an dem Überschuss weiblicher Pädagogen, durch die Jungen “schlechter lernen”?

In der Zeit war dazu am Wochenende ein ganz tolles “Streit-Interview” (Was hilft den Jungen?) mit den Bildungsexperten Hannelore Faulstich-Wieland und Klaus Hurrelmann. Beide haben unterschiedliche Meinungen, die sie mit schlagfertigen Argumenten untermauern. So sieht Expertin Hannelore Faulstich-Wieland keinen notwendigen Bedarf einer speziellen Jungenförderung, während Bildungsforscher Klaus Hurrelmann mit gemischten Gefühlen in die Zukunft blickt.

“Wer die Jungen als Sorgenkinder bezeichnet, verkennt die Realität und vermittelt Eltern wie Lehrern ein gefährliches Zerrbild. Richtig ist: Im Durchschnitt lesen Jungen schlechter als Mädchen. Trotzdem finden wir etwa bei Pisa unter den Spitzenlesern viele Jungen und unter den sehr schlechten Lesern viele Mädchen. In Mathematik existieren zwischen beiden Gruppen nur minimale Unterschiede, in den Naturwissenschaften gar keine. Wir sollten den Jungen nicht eine neue Opferrolle andichten.” Hannelore Faulstich-Wieland

“Auch die Berufswelt wird sich massiv verändern. Schon heute stellen Frauen fast zwei Drittel der Medizinstudenten, die Zahl der Richterinnen und Professorinnen steigt kontinuierlich an. Natürlich ist das eine längere Entwicklung. Aber die Frauen werden die gläserne Decke durchstoßen. In dreißig Jahren werden wir so weit sein, dann werden alle gehobenen Berufe mehrheitlich in Frauenhand sein.” Klaus Hurrelmann

Ich bin ja der Meinung – auch wenn vielleicht die ein oder andere Studie dagegen spricht – dass Jungen und Mädchen einfach anders sind und somit auch andere Lernbedürfnisse haben. Das hat nichts mit “anerzogenem Verhalten” zu tun. Jungs brauchen männliche Vorbilder und den Freiraum, Jungs sein zu dürfen. Eben eine andere Förderung als Mädchen sie brauchen. Und damit kann ich eher die Ansichten von Herrn Hurrelmann unterstützen.

Tags: Allgemeines · Fundsachen · Schule

6 Antworten bis jetzt ↓

  • 1 Erik // Aug 13, 2010 at 13:15

    Die Frage ist halt dann, ob der ganze Feministenwahn überhaupt noch einen Sinn ergibt, da beide Geschlechter die gleichen Rechte (zumindest bei uns hier in Europa) haben. Nichtsdestotrotz fordern Politiker (man muss ja heute PolitikerInnen sagen, “Wer die Sprache beherrscht, beherrscht seine Mitmenschen”. Bitte beachten: Das Wort MörderInnnen darf aber nicht “gegendert” werden!) Frauenquoten in allen beliebten Berufen, also in Vorständen, und in hohen Chefpositionen. Wenn schon eine Frauenquote, warum nicht erstmal im Bergbau, in der deutschen Nationalelf sowie bei der Müllabfuhr?
    Führen solche Frauenquoten in Vorständen nicht zum Phänomen, dass – wenn sich zu wenig Frauen bewerben – sog. “Quotenfrauen” in die Vorstände Einzug halten? Man sieht dieses Phänomen ja bereits in der Politik bei den Grünen, wenn man in der Politik aufsteigen möchte, muss man nur eine Frau sein und bei den Grünen anfangen, schon fällt es einem viel leichter als den Männern, da es mehr männliche als weibliche Bewerber auf die Positionen in dieser Partei gibt.

    In der Schule werden Männer / Jungs von den Lehrern benachteiligt, wie diverse Studien herausgefunden haben (siehe: http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,612997,00.html ). Jetzt zu behaupten, dass Jungs in der Schule aufgrund der Noten schlechter wären als Mädchen, ohne auf die tatsächliche Leistung der beiden Geschlechtergruppen zu schauen, grenzt an den totalen Wahnsinn. Wenn Studien wirklich die Leistung der beiden Geschlechter messen (und nicht die Noten), und dann herauskäme, dass eine der beiden Geschlechtergruppen objektiv eben wirklich besser in der Schule (und nicht nur auf dem Papier) ist, hätte man eine gute Argumentationsbasis – alles andere kann man nur als Realtätsverlust interpretieren.

    Die Mutter Natur hat sich schon was dabei gedacht, die Menschen in Mann und Frau aufzuteilen. Muss man den sich jahrtausende lang bewährten Verhaltensweisen mit so viel Kraftaufwand versuchen, dem etwas entgegenzusetzen? Klar – es sollte für beide Geschlechter möglich sein, Berufe, in denen das andere Geschlecht jeweils dominiert, auszuüben, aber das, was die Politik in ihren Tagträumen (auch unter dem Namen “Quotenfrau” ähm. sorry, “Frauenquote” meine ich ) gerne möchte, grenzt schon fast an die Gleichschaltung der Geschlechter – etwas, was eben anatomisch nicht möglich ist, der ganze Feminismuswahn wird eben nicht dafür sorgen, dass Männer Kinder bekommen können. Da kann auch die Politk – sosehr sie es denn versucht – nichts dran ändern.

  • 2 Maria_Monte // Aug 13, 2010 at 14:40

    Hallo Erik,

    danke für deinen tollen Kommentar. Sehe ich teilweise auch so – jedenfalls halte ich von Frauenquoten auch nicht viel. Ich denke echte Gleichberechtigung ist, wenn wirklich der/die Beste ausgewählt wird – und wenn das mal mehr oder weniger Frauen sind, ist das ok. Nur wie das eben bei Einstellungen ist: es entscheidet eben der Personaler, wer letztendlich das Rennen macht – da spielt Sympathie eben auch eine Rolle und bestimmt auch eine unterbewusste Bevorzugung des ein oder anderen Geschlechts. Das ist ja menschlich und wird man auch nie ändern können. Von daher ist es bestimmt nicht schlecht, wenn es bestimmte Richtlinien gibt. Muss ja nicht 50 / 50 sein, denn wie du schon sagtest – die Geschlechter sind eben unterschiedlich veranlagt.

    Eine Quote sollte aber für beide Geschlechter gelten. Gerade in Pädagogischen Berufen sollte es auch eine “Männerquote” geben z.B. in Kindergärten oder Grundschulen. Da gibt es auch jede Menge Vorurteile – ich will gar nicht wissen, wie viele Männer, die geeignet wären, letztendlich diesen Beruf nicht wählen, weil sie sich sonst anhören müssen, schwul oder pädophil oder ein Weichei zu sein. Die müssen genauso kämpfen wie die Frauen, die sich in Führungspositionen behaupten möchten.

    Jedenfalls ein spannendes Thema. :D

  • 3 Erik // Aug 13, 2010 at 15:25

    Warum überhaupt Quoten? Jede Quote, die der Bevölkerung von der Politik aufgezwungen wird, diskreminiert das eine oder das andere Geschlecht.
    Wenn nummal eben die Sympathie zu einem Mann mehr stimmt als zu einer Frau (oder andersherum), ist dies selbstverständlich ein Einstellungsgrund in die Firma – wieso sollte z.B. ein sich assozial gebender Mann aufgrund einer Quotenregelung meine Kinder erziehen müssen (oder eine assozial verhaltende Frau in Firmen aufsteigen müssen)? Das entscheidet doch am Besten der freie Markt (bzw. freiere Markt, einen freien Markt gibt es ja nur noch auf dem sog. Schwarzmarkt), von wem ich mein Kind erziehen lassen will bzw. der Vorstand der Firma, wer die Firma leitet. Und wenn dieser halt der Meinung ist, dass Männer (oder Frauen, je nachdem) dort halt für diese Position besser geeignet sind – nun, dann kann man nichts machen. In Norwegen wurde vor einigen Jahren eine Quotenregelung in Aufsichtsräten eingeführt, mindestens ich glaub 40% Frauen in den Aufsichtsräten. Bei Nichteinhaltung mussten die Unternehmen Strafe zahlen. Ein Großteil hat sich für das Zahlen der Strafe entschieden anstatt sich dieser Quote zu beuten – also scheinen Männer für solche Berufe wohl besser geeignet zu sein (egal ob wegen fachlicher Qualifikationen oder Sympathie, kommt ja beides zusammen).
    Zwingt man nun Unternehmen Frauenquoten in Aufsichtsräten auf, ist dies nur noch ein weiterer Grund, in andere Länder auszuwandern, wo sie nicht nur weniger Steuern zahlen müssen, sondern auch ihre guten Mitarbeiter behalten können.

    Wenn man dort anfängt, eine Quote einzuführen kommen dann andere Lobbistengruppen auch noch auf die Idee, Quoten einzuführen…

    Oder möchtest du auch noch:
    – Migrantenquoten in Aufsichtsräten
    – Hauttypenquoten
    – Haarfarbenquoten
    – Augenfarbenquoten

    Möchtest du also etwa einen komplett durchregulierten Staat? Wir sollten doch aus der Geschichte gelernt haben, und heute feststellen, dass Eingriffe in die Wirtschaft negative Auswirkungen haben, die teilweise selbst 20 Jahre später noch zu sehen sind (“West-Ost-Gefälle”)!

  • 4 Maria_Monte // Aug 13, 2010 at 16:14

    Die Ossi-Quote hast du vergessen ;)

    Nein, ich bin ja auch generell gegen Quoten. Ein generelles Umdenken wäre mir auch lieber.

    Ich denke aber schon, dass man es fördern sollte, auch Frauen in Spitzenpositionen zu setzen (trotz “Schwangerschaftsrisiko”) oder eben Anreize zu verschaffen mehr männliche Pädagogen einzustellen. Also nicht unbedingt im Sinne einer Quote bzw. eines Zwangs. Eher um Vorurteile abzubauen. Dann käme der Rest quasi von alleine ;)

  • 5 Erik // Aug 13, 2010 at 16:39

    Wie stellst du dir die “Förderung” vor, wie Frauen in Spitzenpositionen gebracht werden sollen?

    Wollen “die Frauen” alle in Spitzenpositionen und dafür dann auf Kinder verzichten (Frauen in solchen Positionen bekommen statistisch gesehen deutlich weniger Kinder als Frauen anderer Schichten)?

  • 6 Erik // Aug 13, 2010 at 16:40

    Da stimme ich dir wirklich zu, ein Umdenken wird so langsam immer nötiger… nur leider kommt das nicht in der Politik an…

    Wie stellst du dir die “Förderung” vor, wie Frauen in Spitzenpositionen gebracht werden sollen?

    Wollen “die Frauen” alle in Spitzenpositionen und dafür dann auf Kinder verzichten (Frauen in solchen Positionen bekommen statistisch gesehen deutlich weniger Kinder als Frauen anderer Schichten)?

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