Das Weiterbildungsangebot für Kurzarbeiter wird nicht ausgeschöpft: Von 1,4 Millionen Kurzarbeitern in Deutschland haben seit Jahresbeginn erst 85 000 die geförderten Weiterbildungsmaßnahmen der Bundesagentur für Arbeit (BA) in Anspruch genommen. Eine BA-Sprecherin bestätigte einen entsprechenden Bericht der “Bild”-Zeitung vom 11. November. Die Fördermittel sind daher noch lange nicht erschöpft. So seien von 150 Millionen Euro, die für die Weiterbildung gering Qualifizierter zur Verfügung stünden, bisher lediglich 24 Millionen Euro abgerufen wurden, sagte BA-Sprecherin Anja Huth.
Dennoch seien die Zahlen nicht negativ zu bewerten. “Immerhin wurden in der Krise 85 000 Menschen weiterqualifiziert”, sagte Huth. Schwierig sei aber vor allem die praktische Umsetzung der Qualifizierungsmaßnahmen in Klein- und Mittelbetrieben. Stärker werden laut Huth Maßnahmen für qualifizierte Beschäftigte, zum Beispiel Facharbeiter, nachgefragt. Dafür stünden aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds 16,5 Millionen Euro zur Verfügung, von denen 14,5 Millionen Euro bereits abgeflossen seien.
Diese Nachricht wundert mich. Ich bin bislang, wohl etwas naiv, davon ausgegangen, dass Weiterbildungsangebote gerade in der aktuellen Krise verstärkt nachgefragt werden. Davon sind ja insbesondere auch die Hochschulen ausgegangen und haben ihre Programme für Exekutives oder berufsbegleitende Seminare etc. stark ausgebaut. Woran liegt es also, dass trotz enormer Fördermittel die Bereitwilligkeit zu Weiterbildung so niedrig ist? Mangelt es am Bewußtsein, dass Bildung = Wissen = Macht = Erfolg bedeuten kann, oder ist es schlicht einem Defizit im Informationsfluß zuzurechnen?
Was sagt Ihr dazu?



3 Antworten bis jetzt ↓
1 Kai_Ingo // Nov 17, 2009 at 11:08
Was mich wundert ist dass solche Zahlen immer so negativ dargestellt werden. Warum schreibt die BILD nicht: Noch 126 Mio Weiterbildungsgelder zu vergeben! oder etwas ähnliches…
Was die Hochschulen mit dem Weiterbildungsangebot für Kurzarbeiter zu tun haben ist mir in deinem Text aber noch nicht ganz klar.
Und noch eine Frage: Was ist an Macht und Erfolg so erstrebenswert?
2 ariane_bunde // Nov 17, 2009 at 12:28
@Kai-Ingo: danke für den Kommentar. Wahrscheinlich, weil schlechte Nachrichten sich erheblich besser verkaufen als gute?
Was die Hochschulen angeht: wenn man sich mal die aktuellen Marketingkampagnen (oder einfach nur Teaser auf den Startseiten der Internetauftritte) von Hochschulen ansieht, dann sticht ins Auge, dass stark auf das Thema “Weiterbildung in der Krise” gesetzt wird. Und zwar nicht nur wenn es um berufsbegleitende Studiengänge geht, sondern es fällt besonders auf, dass viele Hochschulen darauf setzen, ihr Seminarangebot zu erweitern um Zertifikatskurse zu Themen wie Krisenmanagement, Innovation / Kommunikation in Zeiten der Krise, bzw. diese stärker in den Fokus rücken. Die Hochschulen sind also für mich nur ein Beispiel aus meiner persönlichen Erfahrungswelt dafür, dass Angebote en masse vorhanden sind. (Ähnliches beobachtet man übrigens bei Handelskammern und Verbänden, aber das nur am Rande. )
Wäre ich also in der Situation Kurzarbeit machen zu müssen, würde ich mich über jedes Angebot freuen, dass ich nutzen könnte um mich weiterzubilden. Zumal wenn es für meinen Betrieb noch Fördermöglichkeiten gäbe.
Was an Macht und Erfolg so erstrebenswert ist? Nun, zugegeben, die Gleichung ist etwas überspitzt, aber dennoch möchte ich die Gegenfrage stellen: wer strebt nicht nach Macht und Erfolg? Oder Anerkennung und Honorierung von Leistung?
3 Kai_Ingo // Nov 18, 2009 at 11:34
Liebe Ariane,
Danke für deine Antwort. Das mit den Hochschulen habe ich jetzt verstanden.
ABER: Zwischen dem Streben nach Macht und der Anerkennung und Honorierung von Leistung ist ein himmelweiter Unterschied!
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