Ich war ein Jahr mit einem Lehrer auf Weltreise. Das bedeutet, dass ich schon jede Diskussion die man im Bezug auf Lehrer, Schule und Studium führen kann, mindestens dreimal geführt habe. Doch eine Frage kam immer wieder auf: Sollen gute und fleißige Lehrer auch mehr Geld bekommen?
Die eine gibt Aufsätze stets nach wenigen Tagen zurück, kämpft, bis auch der letzte die unregelmäßigen Verben beherrscht, fährt mit den Schülern ins Lernwochenende und nimmt ihre Fortbildungspflicht ernst. Der andere schert sich mäßig um den Lernerfolg seiner Schüler, arbeitet mit Folien aus den Achtzigern und verlässt nach dem Gong stets schnurstracks das Schulgebäude. Aber auf seinem Gehaltszettel steht am Ende des Monats in der Regel das Gleiche wie bei der besonders engagierten Kollegin: Unterrichten beide etwa seit 15 Jahren an einer hessischen Realschule, verdienen sie rund 3750 Euro brutto.
Die Frage ist jedoch: Wie kann man einen guten von einem schlechten Lehrer unterscheiden? Ist das überhaupt messbar?
Ein Pädagoge produziert nichts, das man zählen kann, und er erwirtschaftet keinen Gewinn. Bernhard Bueb, ehemaliger Leiter des Elite-Internats Schloss Salem, plädiert für die Einführung eines Schüler-Fragebogens, der von einem unabhängigen Gremium ausgewertet wird und bei der Entscheidung über Gehaltszuschläge berücksichtigt werden muss. Helmut Klein vom IW schlägt gar vor, Pädagogen ein einheitliches Grundgehalt von nur noch 2690 Euro brutto im Monat zu bezahlen, das sie mit Leistungsprämien und Zulagen auf bis zu 3930 Euro aufbessern könnten. Um die Prämien einzustreichen, müssten die Pädagogen Ziele erreichen, die vorher mit der Schulleitung vereinbart wurden.
Ein Ziel könnte etwa sein, dass ein Lehrer didaktische Fortbildungen besucht und sein Wissen an Kollegen weitergibt. Zulagen soll erhalten, wer an eine Brennpunkt-Schule geht oder Fächer unterrichtet, bei denen viel Zeit für das Korrigieren von Klassenarbeiten draufgeht. Einfluss auf das Gehalt hätten damit sowohl die Arbeitsbedingungen als auch das individuelle Engagement für besseren Unterricht. Solche Regelungen sind in Ländern wie Finnland oder Dänemark längst alltäglich. Quelle: focus.de
So jetzt bin ich gespannt. Was sagt ihr dazu?



2 Antworten bis jetzt ↓
1 knabe // Dez 5, 2009 at 10:28
In meinen Augen sind das z. T. gute Ideen, die aber immer wieder diskussionswürdig sind. Zwar stimmt es, dass durch gewisse Prämien Anreize geschaffen würden. Aber es wird immer Lehrer geben, die sich gerne in das Schulleben einbringen und zusätzliche Aufgaben übernehmen, egal ob da 100 Euro mehr oder weniger fließen. Außerdem werden solche zusätzliche Zahlungen am Ende des Jahres sowieso bereits für engagierte Lehrer getätigt. Fortbildungen müssen ebenfalls in bestimmter Anzahl in einem bestimmten Zeitfenster vorgewiesen werden. Bei dem großen Angebot, das über zentrale Datenbanken (fibs) einzusehen ist, findet auch jeder Lehrer etwas, das ihn interessiert. Zudem ist es auch schon so, dass Fortbildungen an die Fachschaft (z.B. Deutsch, Sport usw.) weitergegeben werden, damit alle Lehrer des Kollegiums davon profitieren.
Beim Thema Brennpunktschule wird es dann schon heikler, wer darf oder muss sich denn so nennen. Was ist die Grundlage?
Weiter wird auch richtig gesagt, dass nicht alles in der Pädagogik messbar ist und so verhält sich das auch mit der Zielvereinbarung zwischen Schulleitung und Lehrerschaft. Wie kann ich Prämien für welches Ziel zahlen?
Letztendlich liegt es wie auch in anderen Berufen an der Motivation des einzelnen. Diese Motivation könnte man bei Schülern und Lehrern gleichermaßen steigern, indem man kleinere Klassen hat um sich mit jedem einzelnen besser zu beschäftigen und nicht nur über 30 Schüler zu verwalten.
2 stone // Dez 9, 2009 at 11:29
Obwohl monetäre Anreize gerade in so einem Bereich schwierig unzusetzen sind, bin ich trotzdem der Meinung, dass so etwas angegangen werden sollte.
Um die Diskussion ein wenig anzuheizen:
Ein System, in dem jeder einer Beschäftigung nachgeht, praktisch ohne Konsequenzen, egal wie motiviert oder lustlos er diese Arbeit erledigt, heißt Kommunismus. Und dass der nicht so wirklich gut funktioniert hat, wissen wir seit den 90er Jahren.
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