Das Computerspiele süchtig machen sollen, geistert nicht erst seit der Studie der Siegmund-Freund-Privatuniversität Wien durch die Medien. Laut der Untersuchung sind 12 Prozent der Schüler süchtig und zeigen ein krankhaftes Spieleverhalten. Das heißt aber nicht, dass Computerspiele generell schlecht sind. Deutlich macht dies unter anderem der Eintrag “Lesen als Krankheit” im Blog Lernen Heute: Hier wird im Text das Medium “Computerspiele” gegen das Medium “Buch” ausgetausch. Demnach heißt es: “Lesen macht süchig, kann sogar ab 4,5 Stunden täglich krankhaft sein.” Völlig absurd. Denn jeder weiß: Lesen bildet. Kann man das auch über das Computerspielen sagen?
Vorurteil Nummer 1: “Computerspiele machen aggressiv.” Aggressive Computerspiele, sogenannte Egoshooter wie Counterstike, führen bei Kindern nach einer Studie der Freien Universität Berlin zufolge nicht unbedingt zu Gewalt. Vielmehr ist es oft umgekehrt, dass aggressive Schüler entsprechende Spiele bevorzugen. Computerspiele führen nicht generell zu Jugendgewalt, sagt auch eine Studie aus der Schweiz. Vielmehr ist mangelnde Medienerziehung und Kontrolle der Eltern ausschalggebend.
Vorurteil Nummer 2: “Computerspiele machen dumm.” Verschiedene Studien dazu haben widerlegt, dass Computerspiele schlechte Noten nach sich ziehen. Vielmehr fördern Sie das Lernen zum Beispiel im Hinblick auf Vokabeln oder die Mathekenntnisse. Ich selbst kann das bestätigen: Durch Online-Rollenspiele wurde neben logischem Denken (Lösen von Aufgaben) auch meine Englischkenntnisse (Teamspeak im internationalen Kanal) und meine Teamfähigkeit (Lösen von Aufgaben gemeinsam in einer Gruppe) gefördert. Die bitkom kommt sogar zu der Aussage, je höher der Schulabschluss ist, desto mehr wird gezockt.
Vorteil Nummer 3: “Computerspiele schotten ab.” Abgesehen dass es seit der Erfindung des Computerspiels auch Lanpartys gibt, bei denen sich Spieler treffen und vernetzen, haben Online-Spiele eine ganz neue Art der sozialen Vernetzung geschaffen. Ich denke sogar, dass durch solche Online-Gruppenspiele der ein oder andere sein Talent zum Teamleiter entdecken und ausbauen kann, wenn er 20 Leute in einer virtuellen Schlacht lenkt und jedem sagt, was er wann zu tun hat, nebenbei die “Beute” gerecht aufteilen und den ein oder anderen Streit schlichten muss. Eine Studie der Dona-Universität Krems hat sogar herausgefunden, dass Comupterspiele soziales Lernen und Interaktionen fördern.
Natürlich sollten Schüler nicht 12 Stunden am Tag mehr oder weniger gewalttätige Computerspiele zocken. Genausowenig sollten Kinder und Jugendliche ihr soziales Umfeld vernächlässigen, indem sie den ganzen Tag ihre Nase in Bücher stecken. Letztlich liegt es in der Verantwortung der Eltern, auf eine sinnvolle und ausgewogene Nutzung zu achten. Egal ob Lesen, Computerspielen oder Fernsehen. Ein Verbot durch Eltern oder sogar der Regierung ist nichts weiter als das Eingeständnis, die neuen Medien nicht zu verstehen und keinen Zugang zu dieser Generation zu haben.



5 Antworten bis jetzt ↓
1 TheWebSociety // Aug 6, 2009 at 11:34
In der Tat gibt es bereits mehrere Studien, die belegen, dass Computerspiele räumliches Denken, Taktik, Erinnerungsvermögen und Reaktion verbessern können.
Nicht umsonst setzt das US Militär Simulationen zur Ausbildung ein.
Natürlich ist es wie mit allem anderen auch: ein Übermaß ist selten gut. Wenn ich den ganzen Tag Bücher lese bin ich wahrscheinlich schlau – habe aber kein wirkliches soziales Umfeld.
Wenn ich den ganzen Tag zocke, hab ich wahrscheinlich ne gute Reaktion, verblöde aber hinsichtlich der Allgemeinbildung…
Ein ausgewogener Mix ist alles – Spiele können dabei helfen.
2 Maria_Monte // Aug 6, 2009 at 12:34
Sehr schön gesagt. Ich denke sogar, dass sich der Trend zum Spiel noch deutlich vergrößern wird – alles eine Generationsfrage.
3 Werner Prüher // Aug 7, 2009 at 10:08
Zwei Bücher mit völlig gegensätzlichen Ansichten dazu kann ich hier empfehlen: Völlig dagegen ist Manfred Spitzer (“Vorsicht Bildschirm”). Beispielsweise unterscheidet er zwischen Jungen und Mächen: Für PCs für 14jährige Mädchen findet er okay, wohingegen Jungen diese zum Ballern, Porno runterladen etc. nutzen würden.
Stephen Johnson (“Die neue Intelligenz: Warum wir durch Computerspiele und TV klüger werden”) liefert sehr, sehr gute Gegenargumente zu Spitzer.
Beide Ansichten sind insgesamt nachvollziehbar und in sich logisch. Beide Bücher liefern wertvolle Hinweise für den Umgang mit Medien.
4 Maria_Monte // Aug 7, 2009 at 11:05
Danke für die tollen Buchtipps. Ich habe mir die amazon-Rezension angeschaut und mir “Die neue Intelligenz” gleich bestellt.
Bin sehr gespannt.
5 guenter_krass // Aug 14, 2009 at 11:19
dazu Sixtus vs. Lobo zum Thema Counterstrike. http://blog.zdf.de/3sat.neues/2009/08/sixtus-vs-lobo-nr-15.html
Hinterlasse ein Kommentar