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Akademikersteuer statt Studiengebühren?

September 9th, 2010 · 1 Kommentar

Ich frage mich manchmal wirklich, ob manche “Bildungsexperten” einen veräppel wollen – und zwar auf Basis der doppelmorialischen Haltung Deutschlands zur Bildungspolitik.

Da wird an allen Ecken und Enden geklagt, dass Fachkräfte jetzt schon fehlen und bitte ganz dringend junge Menschen Ingenieure werden sollen, damit sich die deutsche Wirtschaft weiterhin international mit exquisiten Innovationen in Technik und Forschungen rühmen kann. Da werden Stipendienprogramme ins Leben gerufen, damit die schlausten Köpfe – unabhängig vom Einkommen der Eltern – gefördert werden. Und so noch mehr junge Menschen die Möglichkeit haben, zu studieren. Auf der anderen Seite wird das BAföG nicht erhöht und Studiengebühren sind je nach Bundesland relativ willkürlich. An den Bildungsausgaben wird im allgemeinen gekürzt. Dazu die immer noch nicht abgeschlossene Bachelor-Umstellung und mangelnde Master-Studienplätze. Das reizt den zweifelnden Studienbeginner nicht gerade. Und jetzt kommt dazu noch die tolle Idee, statt Studiengebühren eine Akademikerabgabe einzuführen!

Laut Dr. Dieter Dohmen sollen Akademiker in den ersten sieben Jahren nach Studium eine Abgabe gestaffelt nach Einkommen leisten – die dann der jeweiligen Hochschule zugute kommen soll – und so indirekt die Schaffung von 450.000 zusätzlichen Studienplätzen und einem erhöhten Finanzbedarf von 3,25 Milliarden Euro jährlich decken. Die Idee:

Wer 2000 Euro im Monat verdient, zahlt 120 Euro monatlich. Wer 5000 Euro verdient, zahlt entsprechend 300 Euro, das summiert sich dann auf 10.000 beziehungsweise 25.000 Euro. [...] Das ist gerecht, denn schließlich kostet ein Akademiker den Staat doppelt so viel wie jemand, der nach der Schule einen Beruf erlernt.

Bezieht sich das nun auf den Brutto- oder Nettolohn?Und warum ist das so gerecht? Bildung ist schließlich die Investition des Staates in seine Bürger. Mit dem durch ihre Qualifikation erwirtschafteten Geld leisten sie nicht nur Steuern (geben also dem Staat etwas zurück), sondern tragen auch zur Wirtschaft und dem BIP bei. Noch dazu ist laut jüngster OECD-Studie das Risiko von Arbeitslosigkeit bei einem Hochschulabschluss deutlich geringer. Das heißt, dass der Staat in Akademiker relativ risikoarm investiert und dafür auch deutlich mehr solidarische Abgaben erwarten kann (in Deutschland liegt der Einkommensunterschied von Akademikern und Nicht-Akademikern bei rund 75 Prozent). Warum sollte dann die Idee mit der Akademikerabgabe so gerecht sein? Noch dazu in der Höhe, die den ein oder anderen Absolventen wieder sehr nahe an das “Rumknapsen” aus Studienzeiten bringen würde.

Dazu kommt außerdem, dass der deutsche Staat im internationalen Vergleich in die Bildung eigentlich gar nicht besonders viel investiert. Die gesamten öffentlichen und privaten Ausgaben für Bildungseinrichtungen lagen laut OECD in Deutschland im Jahr 2007 bei 4,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Unter den OECD-Ländern, für die entsprechende Zahlen vorlagen, gaben nur die Slowakei, Tschechien und Italien einen geringeren Anteil der Wirtschaftsleistung für Bildung aus. Bei den Spitzenreitern USA, Korea und Dänemark lag der Anteil bei mehr als sieben Prozent des BIP.

Bildung ist wirklich eine Ressource, an der weder gespart werden sollte, noch gemeine Abgaben (weder Studiengebühren noch Akademikerabgaben) bergen sollten. Sie ist eine Investition in die Zukunft, die am Ende jedem zugute kommt.

Tags: Hochschule · Politik · Studie

1 Antwort bis jetzt ↓

  • 1 holger_mueller // Sep 9, 2010 at 17:11

    Toller Beitrag den man genau so stehen lassen kann!

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