Studenten haben kein Interesse an Politik. Sie sind zwar unzufrieden, haben aber keine Lust etwas dagegen zu unternehmen. Keiner geht mehr auf die Straße… Bla Bla Bla… Diese Meinung habe ich noch nie geteilt. Ich glaube, dass genauso viele/wenige Studenten wie früher den Antrieb haben etwas auf die Beine zu stellen. Nur die Mittel haben sich geändert. „Das Internet ist die neue Straße“ – bestes und aktuelles Beispiel: Die Studentenproteste in Österreich.
Die Proteste haben eine neue Qualität. Denn die Studenten in Österreich, die sich gegen schlechte Studienbedingungen wenden, ziehen dabei alle Register, die ihnen das Internet als Medienkanal bietet. Folgend ein Überblick der Ereignisse aus der letzten Woche.
• Demonstration und Besetzung des Audimax der Wiener Universität am Donnerstag den (22.10.09).
• Bereits an diesem Tag wurden Neuigkeiten über Twitter verbreitet. Man machte sich den Umstand zunutze, dass sich Informationen per Hashtag (#unibrennt, #unsereuni, #audimax) schnell weiterverbreiten lassen, selbst wenn sich deren Benutzer unbekannt sind (Wichtiger Indikator: Die immer größere Zahl an Smartphones)
• Am selben Tag entstanden Fanpages auf Facebook und StudiVZ.
• Video-Streaming aus dem Audimax kam ab Freitag hinzu
• Der Stream hat sich über Twitter in kurzer Zeit stark verbreitet. Der Rekord wurde am Dienstag mit fast 3000 parallelen Zuschauern erreicht. In den vier Tagen hatte der Stream über 140.000 Views und über 2,5 Millionen gesehenen Minuten.
• Für die intern orientierte Kommunikation wurde ein Wiki eingerichtet.
• Für die Außendarstellung wurde die Website unibrennt.at gelauncht.
Somit entstand innerhalb nur weniger Tage eine sehr professionelle Medien- und Kommunikationsstruktur, die sicherlich deutlich dazu beigetragen hat, die Proteste auch an andere österreichische Hochschulstandorte zu tragen. Die Studenten bestimmen damit auch wesentlich mit, welches Bild von ihnen in der Öffentlichkeit entsteht.
Und schließlich dürften viele Studenten dort erstmals praktisch erleben, wie verschiedene Tools aus dem Baukasten des Social Web eingesetzt werden können und wie diese wirken. Das “Real Time Web” ist hier nicht einfach nur Spielwiese für die Freizeit und das “Abhängen mit Freunden”, sondern eine mächtige Waffe im Kampf um bessere Bedingungen an den Hochschulen.



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