Gestern bin ich beim Zappen bei der Reportage “Ein Freund für alle Fälle” des ARD Senders EinsPlus hängen geblieben. Es ging um den 8-jährigen Nick, der in die erste Klasse einer Dresdner Grundschule geht (zum zweiten Mal). Er hat zwei Geschwister, seine Mutter ist alleinerziehend und gerade wieder schwanger. Das Geld ist in der Familie knapp und der Alltag schwierig. Nick kann noch nicht richtig lesen, Schuhe binden geht auch nicht, er verbringt die meiste Zeit vorm Fernsehen oder spielt Videospiele.
Auf Initiative seiner Lehrer nimmt er schließlich am Patenprogramm “Balu und du” teil und bekommt einen Freund vermittelt. Mit dem Medieninformatik-Student Thomas unternimmt er von nun an ein Jahr lang einmal in der Woche etwas – vom Kuchenbacken bis zum Abenteuerspielplatz oder Museumsbesuch. Ein gelungenes Projekt, denn letztendlich lernen beide dazu, profitieren von dieser “ungewöhnlichen” Freundschaft. Nick lernt, dass es jenseits des Fernsehens ein Leben gibt und Thomas wird für die Bedürfnisse eine Kindes sensibilisiert.
Ihr kennt bestimmt alle das Freundespaar aus dem Dschungelbuch! Balu, der starke aber immer freundliche Bär begleitet den Menschenjungen Mogli eine Zeitlang durch die vielen Wirrungen und Gefahren des Dschungelalltages. Balu lässt Mogli auf diesem Weg viel ausprobieren, lässt neue Erfahrungen zu, wartet geduldig, bis Mogli weitergeht, hat Zeit zum Zuhören, Späße machen, zeigt aber auch wie man mit schwierigen Situationen fertig wird, erklärt die Regeln im Dschungelleben und beschützt, wo es nötig ist. Kurzum, Balu ist ein verlässlicher Freund.
Und Mogli? Mogli macht an der Seite seines großen Freundes wichtige Erfahrungen: ich kann etwas, ich traue mich Neues auszuprobieren, ich habe etwas zu sagen, es hört mir jemand zu, ich kann mich auf einen Freund verlassen.
Balu und Du” ist ein ehrenamtliches Projekt, das Kinder im Grundschulalter fördert. Die Kinder sollen – neben Familie und Schule – eine weitere Chance erhalten, sich ihren positiven Anlagen gemäß zu entwickeln und am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen durch die Begleitung der Paten oder Patinnen. Das Projekt bietet sozial benachteiligten Kindern für einen begrenzten Zeitraum einen verlässlichen Begleiter an. Die Mentoren bzw. „Balus“ sind überwiegend Studierende – viele bereiten sich auf eine Tätigkeit in einem pädagogischen oder psychologischen Feld vor. Sie schreiben wöchentlich ein Tagebuch über den Verlauf der Beziehung. Diese Berichte ermöglichen eine dichte Begleitung sowie die Evaluation des Programms. Nach etwa einem Jahr enden die regelmäßigen Treffen zwischen den „Balus“ und „Moglis“. Das bedeutet aber meist keinen Abbruch der Beziehung. Aus dem „Projekt“ ist vielleicht eine freundschaftliche Beziehung geworden. Und genau wie sich Freunde nicht jede Woche „montags um drei“ treffen, so lebt diese Beziehung fort. Wenn die Kinder einmal ihren großen Freund in Krisensituationen benötigen, dann wissen sie, an wen sie sich wenden können.
„Balu und Du“ ist in ganz Deutschland vertreten. Vor Ort kooperiert das Programm mit weiterführenden Grundschulen, Schulen und Universitäten, Caritas und Diakonie, Freiwilligen-Zentren und den Kirchen.



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