Lehrer-Studium: Keine Vorbereitung auf Praxis

Wie man eine undisziplinierte Klasse im Zaum oder mit Eltern umgeht – solche Sachen lernt kein angehender Lehrer im Studium. In der Referendariatszeit kommt meist der erste Praxisschock und Jung-Lehrer müssen improvisieren. Nur rund 36 Prozent der Lehrer fühlen sich gut auf die Berufspraxis vorbereitet, 50 Prozent unzureichend. Das ist das Ergebnis der Studie “Lehre (r) in Zeiten der Bildungspanik” des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Vodafone Stiftung. Aber nicht nur die ausbildenden Universitäten sind “schuld”. Oft tragen verkürzte Referendariatszeiten dazu bei, nicht gut auf den Beruf vorbereitet zu sein.

Die Studie zeigt auch, dass vor allem ältere Lehrerinnen und Lehrer bzw. jene mit der größten Berufserfahrung den Lehrberuf weniger attraktiv einschätzen als ihre jüngeren und unerfahrenen Kollegen. So halten nur noch knapp 41 Prozent der Lehrer ab 55 Jahren sowie knapp 46 Prozent der seit mindestens zwanzig Jahren im Schuldienst stehenden Lehrer ihren Beruf für attraktiv. Gründe dafür sind neben einer allgemein hohen psychischen Belastung im Beruf (33 Prozent) die Tatsache, dass Lehrer immer häufiger Aufgaben übernehmen müssten, die eigentlich Sache des Elternhauses sind (31 Prozent), sowie ein zunehmend schwieriger Umgang mit den Eltern der Schüler (28 Prozent). Eine zu geringe Bezahlung oder fehlende berufliche Perspektiven sind hingegen nur von nachrangiger Bedeutung (jeweils neun Prozent).

Dass das Unterrichten in den letzten Jahren schwieriger geworden sei, führen Lehrer zu insgesamt 42 Prozent auf das Verhalten ihrer Schüler zurück und kritisieren damit fehlende Disziplin, Respektlosigkeit und die Missachtung von Regeln ebenso wie ein geringes Konzentrationsvermögen, fehlende Motivation oder allgemeine Erziehungsdefizite.

3 thoughts on “Lehrer-Studium: Keine Vorbereitung auf Praxis

  1. Ist es aber nicht so, daß auch diese Lehrer bereits ihre Schulzeit hinter sich haben und somit wissen müßten, wie es in Klassen zugeht?

  2. Ist es wirklich so, dass Lehrer immer häufiger (Erziehungs-)Aufgaben übernehmen müssen, die eigentlich Sache des Elternhauses sind? Ich halte das für eine steile These – wem die auch zuzuordnen ist, Ihrer journalistischen Auslegung oder doch den Befragungsergebnissen. Vor dem Hintergrund der nun schwarz auf weiß dokumentierten Ausbildungsmängel erwarte ich jedenfalls von Berufsgruppe der Lehrer keine stichhaltige Diagnose zu Erziehungsthemen. Zu viele Lehrer verstehen von Beziehungs- und Interaktionsthemen kaum etwas, ihre Ausbildung kennt kaum Entwicklungspsychologie und auch Kommunikationstechniken werden weder im Lehramtsstudium noch danach vermittelt. Und dann diese pauschale Schulzuweisung an Eltern! Auch wenn der Gedankengang dürftig daherkommt, klingen solche Thesen zumindest in den Ohren Kinderloser und ruhebedürftiger Rentner vielleicht plausibel. Ohne Frage, so funktioniert Interessenpolitik. Geholfen ist damit aber weder den Lehrern noch ihren Schülern und schon gar nicht der Lehrer-Eltern-Beziehung.

    Was könnte helfen, wie kann der unstrittigen Überforderung der Lehrer entgegengewirkt werden? Indem ihnen mehr Handlungsspielraum, Eigenverantwortlichkeit und Gestaltungsmasse zugestanden wird. Neben dem Stil, in dem übereinander gesprochen wird, ist das Ausmaß der Knebelung der Schulen durch Politik und Verwaltung der eigentliche Skandal. Wenn Schulleitungen und Lehrerkollegien ihre Arbeit freier gestalten könnten, würde die Arbeitszufriedenheit der Lehrer durch die Decke gehen – sogar bei gleichbleibend schlechter Ausbildungsqualität.

  3. Lieber Herr Krebs,

    vielen Dank für ihr interessantes Kommentar.

    “Zu viele Lehrer verstehen von Beziehungs- und Interaktionsthemen kaum etwas, ihre Ausbildung kennt kaum Entwicklungspsychologie und auch Kommunikationstechniken werden weder im Lehramtsstudium noch danach vermittelt. ”

    Da gebe ich Ihnen Recht. Ich finde es auch Schade, dass angehende Lehrer in dieser Hinsicht nicht ausreichend ausgebildet werden. Wenn man selbst mal an seine Schulzeit zurückdenkt, fallem einem immer wieder die Lehrer ein, die sich nicht durchsetzten konnten und die schlichtweg (ich meine jetzt nicht fachlich) für diesen Beruf ungeeignet waren – und die dann total überfordert in Frührente gehen.

    Mich würde mal interessieren, wie viele Studenten den Berufswunsch kurz vor Schluss – also im Referendariat – hinwerfen (beispielsweise mein Onkel war so einer).

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