Roland Koch, Ministerpräsident in Hessen, will sparen. Ganz oben auf der Liste: Bildung, Forschung und Kinderbetreuung. Das sollte seinem Tenor nach kein “Tabu” sein. Garantie für einen Betreuungsplatzes für Kinder unter drei Jahren? Braucht kein Mensch. Und Ausgaben von zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes für Schulen und Hochschule müssen nun wirklich nicht sein! Die Kritik an Kochs umstittenen Sparplänen wächst – kommt sogar aus den eigenen Reihen der CDU.
Doch warum will der hessische Ministerpräsident außgerechnet an der maroden Bildung sparen? Gegen den Trend in der Politik? Die FAZ weiß eine Antwort: Koch hat die Ergebnisse einer Studie des Max-Planck-Instituts für Demographie in die Finger bekommen (MPI für demographische Forschung). Und die besagt:
Älteren ist es in zunehmendem Maße gleichgültig, wie es jungen Familien, Heranwachsenden und Studierenden geht. Und diese Älteren sind das entscheidende Wählerpotential der Zukunft. Die Zustimmungsrate, etwa zu Kindergelderhöhungen, ist bei einem 65-Jährigen um 85 Prozent geringer als bei einem 25-Jährigen. Fragen der Kinderbetreuung, Bildung und wahrscheinlich auch jeder Form von Forschung, die nicht im weitesten Sinne medizinisch ist, spielen eine immer geringere Rolle. Quelle: FAZ
Leider besteht ein Großteil der Wähler nicht aus Familienvätern- und -müttern, sondern aus Senioren, Tendenz steigend. Und diese Zielgruppe möchte Koch ansprechen. Denn die demographische Struktur der Gesellschaft ist so, dass die Mehrheit der Wähler kein wirkliches Interesse an einer Zukunft hat, die länger als zwanzig Jahre auf sich warten lässt.
Koch hält mit seinen Prioritäten auch keineswegs hinter dem Berg: „Was wäre wohl los gewesen“, sagt er im „Spiegel“, „wenn ich zuerst über die rund 80 Milliarden Euro staatlichen Zuschüsse zur Rentenversicherung gesprochen hätte? Dann wären Vertreter der älteren Generation mit derselben Empörung über mich hergefallen wie jetzt die Bildungspolitiker.“ Im ersten Fall wären die Alten über ihn hergefallen, im zweiten sind es nicht etwa die jungen Menschen, sondern nur die Bildungspolitiker. Denn die kritische Masse der jungen Menschen und ihrer Familien reicht offenbar schon nicht mehr aus, Protest zu formulieren. Quelle: FAZ
Koch ist also nur auf Wählerstimmen aus. Und verschiebt damit momentane Probleme der Bildungspolitik in die nächste Generation. Auch wenn die Lösung für alle auf der Hand liegt: Laut dem Motto: “Nach mir die Sintflut” möchte er nicht in die Bildungskarrieren der nächsten Generation investieren. Und jemand der so kurzsichtig und nur auf seine eigene Karriere bedacht ist, wird nicht nur immer wieder gewählt, sondern als heimlicher Nachfolger des kränkelnden Finanzministers Schäuble gehandelt? Ich könnte kotzen!



3 Antworten bis jetzt ↓
1 guenter_krass // Mai 17, 2010 at 12:07
Leider haben die meisten Politiker nur einen vier-Jahres Horizont. Und das Roland Koch Bildung völlig egal ist, beweist er immer wieder aufs Neue… WER WÄHLT DIESEN MENSCHEN???
2 kerri brettscher // Mai 19, 2010 at 14:40
Kloppi … unglaublich! es sollte vielleicht für beide Gruppen gleich viel getan werden, da wäre auch mehr Verständnis auf beiden Seiten da.
3 Maria_Monte // Jun 7, 2010 at 09:28
Wurden sogar auf Neues Deutschland zitiert: http://www.neues-deutschland.de/artikel/171799.bildungsrauschen.html
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