Laut einer FORSA-Umfage möchten über 63 Prozent der Befragten das gegliederte Bildungssystem beibehalten, nur 31 Prozent ist für eine Einheitsschule. Besonders interessant ist dabei, dass die Befürworter eines gegliederten Schulwesens vor allem bei den 18- bis 29-Jährigen zu finden sind. Hier sind drei von vier Jugendlichen gegen die Abschaffung der bisherigen Schularten und für das bisherige Schulsystem. Die höchste Anzahl der Befürworter für ein gegliedertes System findet man – logisch – unter den Anhängern der CDU (72 Prozent) und FDP (78 Prozent). Auch die Mehrheit der SPD-Anhänger (55 Prozent) ist gegen die Einheitsschule. Auch glauben nur 29 Prozent, dass die Einheitsschule die Leistungsfähigkeit des Schulsystems verbessern würde.

FORSA-Umfrage 2009
Bei der FORSA-Umfrage 2004 wollten noch 41 Prozent der Bevölkerung, dass die Schüler bis zur 9. oder 10. Klassen zusammen bleiben. 52 Prozent waren für das jetzige Schulsystem. Im Jahre 2007 wollten 89 Prozent aller Befragten das Gymnasium erhalten, 68 Prozent waren gegen eine Abschaffung der Hauptschule und 63 Prozent gegen eine Verlängerung der Grundschulzeit.
Einheitsschule scheint also ein ewiges Streitthema zu sein, bei dem die Meinungen je nach Fragestellung schwanken. Zur Zeit steht bei vielen Parteien vor allem eine Verlängerung der Grundschulzeit von 6 Jahren zur Debatte. Ob das wirklich umgesetzt wird, ist noch fraglich.
Was haltet ihr von der Umfrage?
Nachtrag: Im übrigen sind Einheitsschule und ein längeres gemeinsames Lernen mit individueller Föderung zwei Paar Schuhe (siehe Kommentare unten). Die Fragestellung in der FORSA-Umfrage ist außerdem recht missverständlich. Die Antworten werden wiederum vom Deutschen Philogenverband verwendet, um gegen die bildungspolitischen Pläne der linken Parteien zu wetttern. Der Auftraggeber der Studie, also der Deutsche Philologenverband, hat vor allem das Ziel, das gegliederte Schulsystem beizubehalten. Außerdem tritt er für die Qualitätssicherung in der gymnasialen Bildung und die Zukunftssicherung des Beamtenverhältnisses für Lehrer ein. Er wird also zum Teil “arbeitslos”, wenn sich die Pläne eines gemeinsamen längeren Lernens durchsetzen.
Im Jahr 2008 fand eine Umfrage von Emnid heraus, dass 48 Prozent der Eltern das gegliederte Schulsystem für ungerecht finden und fast 60 Prozent verlangen längeres gemeinsames Lernen. Also doch keine so repräsentative FORSA-Umfrage? Oder liegt alles Auslegung nach dem Motto “traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast”?



6 Antworten bis jetzt ↓
1 Elise Buchaneck // Sep 24, 2009 at 13:45
sagt mal, ganz blöde Frage, was ist denn eig. der Unterschied zwischen Einheitsschule und Gesamtschule. Oder gibts gar keinen?
2 W. Schneider // Sep 24, 2009 at 14:16
Gesamtschulen beliebt
Über 60 % haben sich für die Beibehaltung des bisherigen Schulsystems ausgesprochen./ Gesamtschulen und Gemeinschaftsschulen in Deutschland nicht umstritten.
In einer aktuellen Umfrage des Forschungsinstitutes Forsa wurden die 1007 Bürgerinnen und Bürger gefragt, ob sie für die flächendeckende Einführung der Einheitsschule sind oder das bisherige System beibehalten wollen. Über 60 % der Befragten haben sich für die Beibehaltung des bisherigen Systems ausgesprochen. Dies bedeutet, dass die weit über 1000 existierenden Gesamtschulen und Gemeinschaftsschulen in Deutschland bei dieser Befragungsgruppe entgegen andersläufiger Meinung nicht umstritten sind. Auch scheint die zunehmende Zusammenlegung zwischen Hauptschule und Realschule auf Gegenliebe in der Bevölkerung zu stoßen.
Allerdings haben sich in dieser Umfrage auch über 30 % dafür ausgesprochen, dass die Einheitsschule flächendeckend eingeführt wird. Sogar mehr als ein Fünftel der CDU-Anhänger sowie FDP-Anhänger sind für die flächendeckende Einführung der Einheitsschule. Nach der Umfrage von Forsa scheint auch niemand negative Effekte von der Einführung der Einheitsschule zu erwarten.
Beide Ergebnisse sind ein klares Signal, dass die Schulstrukturen der erfolgreichen Pisa-Länder (wie zum Beispiel Finnland) immer mehr in das Bewusstsein der Bevölkerung treten. Dies zeigt sich auch in der aktuellen Politik der einzelnen Bundesländer: in 14 Bundesländern sind integrierte Schulformen bereits vorhanden, nur in Bayern und Baden-Württemberg sind sie nur vereinzelt als „Schulen besonderer Art“ zu finden.
3 Maria_Monte // Sep 24, 2009 at 14:30
@Elise Buchaneck
Gesamtschule und Einheitsschule sind eigentlich das Gleiche, da sie beide einen gemeinsamen Klassenverbund bis zur 9. Klasse voraussetzen. Gesamtschule und Einheitssschule sind eingeteilt in verschiedene Kussysteme und Förderstufen. Besteht die Gesamtschule als alleinige Schulform (wenn also Haupt-, Realschule und Gymnasium abgeschafft werden) spricht man von der Einheitsschule.
4 Maria_Monte // Sep 24, 2009 at 14:42
@ W. Schneider
Bei so etwas ist es natürlich immer schwer zu beurteilen, ob das Glas halb voll oder halb leer ist. Fakt ist, dass die Befürtworter der Einheitsschule seit 2004 rückläufig sind. Die Frage nach der generellen Beliebtheit von Gesamtschulen, die innerhalb des dreigliedrigen Systems besteht, kann man nach dieser Studie meines Erachtens nicht beurteilen. Von daher verstehe ich die Schlussfolgerung nicht.
5 Maria_Monte // Sep 24, 2009 at 15:44
Einheitsschule und längeres gemeinsames Lernen sind zwei Paar Schuhe.
Die SPD nennt die FORSA-Studie eine Farce und höchst manipulativ. Sie verweist auf die vom Emnid-Institut im vergangenen Jahr durchgeführte Studie “Integration durch Bildung”, wo sich 51 Prozent der Bevölkerung und sogar 58 Prozent der Eltern dafür ausgesprochen haben, dass Kinder länger gemeinsam unterrichtet werden.
http://bildungsklick.de/pm/70112/stange-studie-des-deutschen-philologenverbands-ist-reine-farce/
Ich bin gerade etwas verwirrt. Ich finde längeres gemeinsames Lernen auch super, aber worin ist denn jetzt der tatsächliche Unterschied zur Einheitsschule? Liegt das nur am Begriff und der negativen Assoziation?
6 gallone // Sep 24, 2009 at 17:21
im grunde ist es eigentlich völlig egal, ob ich eine gesamtschule, einheitsschule oder hauptschule besuche. wenn 33-35 schüler in einem kleinen klassenzimmer sitzen und sich nur von frontalunterricht berieseln lassen, ist klar, dass der eine oder andere keine motivation zeigt und abschaltet. wichtig wäre doch über die methoden, inhalte und klassenstärken zu diskutieren und nicht über das schulsystem. das lenkt nur ab vom eigentlichen problem.
motivation und atmosphäre zum lernen schaffen – das ist die aufgabe – egal in welcher schulart
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