Bei meiner WELT am Sonntag Lektüre bin ich gestern auf ein spannendes Thema bzw. einen interessanten Artikel gestoßen. Elmar Jung aus Malmö (Schweden) schreibt über „Freie Schulwahl für freie Bürger“.
Hintergrund: Seit 1992 dürfen sich in Schweden freie Privatschulen gründen. Anders als in Deutschland müssen Eltern in Schweden jedoch kein Geld für die Privatschule zahlen. Denn Schulgebühren sind in Schweden verboten. Freischulen werden von der Kommune finanziert, mit genau demselben Beitrag pro Kind wie auch staatliche Einrichtungen.
Der Text beschreibt die Situation in den Freischulen. 15 Schüler, Wohnzimmer-Atmosphäre, jeder wird individuell betreut, Frontalunterricht Fehlanzeige. Zwar wird auch von langen Wartelisten berichtet – hierbei sei aber ausschließlich die Entfernung des Wohnorts und der Zeitpunkt der Anmeldung ausschlaggebend.
Ich fragte mich also: Warum um alles in der Welt schicken dann nicht alle Eltern ihre Kinder auf eine Freischule?
Meine Recherche ergab folgendes: Die Freischulen unterscheiden sich meistens in der Unterrichtsform, z.B. Montessori, Waldorf, internationale Schule mit Unterricht auf Englisch, katholische Schulen usw. Eine Mutter schreibt in einem Forum: „Es gibt hier mittlerweile sehr “abenteuerlich” ausgerichtete Gymnasien – z. B. Pferdepflege, Fußball, Tanz und dergleichen. Nach Abschluss eines schwedischen Gymnasiums hat man nicht immer auch Hochschulreife (Abitur) und kann somit nicht unbedingt an einer europäischen Uni studieren. Manche sind der Meinung, dass eine Freischule automatisch auch den besseren Unterricht bietet. Das muss man aber von Fall zu Fall entscheiden – es gibt auch hier gute und weniger gute Schulen.”
Das System schafft Konkurrenz, die den Unterricht auch an kommunalen Schulen verbessert – schreibt der WELT-Autor und fragt: Könnte das ein Vorbild für Deutschland sein?



3 Antworten bis jetzt ↓
1 Peter Schwarzmüller // Aug 23, 2010 at 18:16
Hier geht es um den Ausverkauf der Bildung, dem wir in Deutschland hoffentlich nicht hinterher laufen werden, nur weil es das PISA-Super-Schweden vormacht.
Privatisierung bedeutet, dass durch Konkurrenz nicht nur Vielfalt geschaffen wird, sondern auch (neue, private) Monopole entstehen und nicht konkurrenzfähige Schulen geschlossen würden. Aber die Schließung von Schulen bedeutet dann nicht, dass diese Schulen unbedingt schlecht waren, sondern dass eine andere Schule die Eltern überzeugen konnte, dass die eigene Schule die beste sei (das mag allein die Werbung vollbringen). Und wenn erstmal die staatliche Versorgung fehlt, dann können die privaten Schulen ihre Buntheit voll entfalten, ohne dass Eltern noch die Alternative der staatlich organisierten Bildung haben…
Sicher ist das Fernsehen mit dem Aufkommen der Privatsender bunter und vielfältiger geworden, aber ob es qualitativ besser geworden ist (sei es Privatfernsehen, sei es öffentlich rechtliches Fernsehen unter dem Einfluss der Konkurrenz), möchte ich nicht mit dem Blick auf die Popularität beantworten wollen…
Ich habe die Bildung lieber in staatlicher Hand als in den Händen von vielleicht irgendwann Konzernen, die naturgemäß im Kollisionsfall immer den Profit der Qualität vorziehen werden – zumindest die Gefahr besteht.
Beispiele für Gutscheinsysteme gibt es auch in anderen Ländern, die damit auf die Nase gefallen sind. Prof. Dr. Ingrid Lohmann hat dazu ausführlich und fundiert gearbeitet (auch wenn ich diesen Linke-/ATTAC-Jargon nicht mag): http://www.erzwiss.uni-hamburg.de/Personal/Lohmann/Privatisierungskritik/E-Book.pdf
(dort ab S. 125 wird über Gutscheinsysteme in verschiedenen Ländern berichtet).
Wir können froh sein, dass sich in Deutschland der Staat verantwortlich für die Bildung fühlt und diese Verantwortung aus verschiedenen Zwängen heraus nicht an die Privatwirtschaft abgibt. Marktwirtschaft ist nicht automatisch ein Heilsbringer, auch wenn es etliche Verfechter gibt, die darin eine Lösung sehen.
–
http://www.BlogBildung.net
Schule. Bildung. Zukunft
2 Maria_Monte // Aug 27, 2010 at 12:32
Hallo Peter,
danke für deinen Kommentar.
Ich denke auch, dass der Staat sozusagen den Hut in Sachen Bildung aufbehalten sollte. Private Schulen stellen meiner Meinung nach immer nur eine Alternative bzw. Ergänzung dar, besonders mit solch fragwürdigen Fächern wie oben beschrieben.
Gut finde ich aber, dass in Schweden die Privatschulen kostenlos sind, denn so hängt es nicht vom Geldbeutel der Eltern ab, welche Bildungschancen ein Kind bekommt. Allerdings sehe ich auch die Gefahr, dass so Konzerne unterschwellig Einfluss nehmen können – z.B. in der Kantine mit bestimmtem Essen oder durch Lernmittel etc. Da fehlen dann wiederum Schranken, die das unterbinden. Denn durchaus bieten private Schulen auch Vorteile.
Ich würde gerne wissen, ob und welche Konzerne in Schweden hinter den Freischulen stecken? Die katholische Kirche (m.E. auch eine Art Konzern) wurde ja bereits erwähnt.
3 manfred lorenz // Okt 5, 2010 at 15:23
hallo hier, wenn auch etwas spät , so doch sehr entschlossen.
meines erachtens ist es wichtig, ja sogar unumgänglich, dass für freie bürger auch die freiheiten und möglichkeiten ihrer freien wahl ihrer bildungsform und – tiefe zu schaffen. alles was verstaatlicht ist, ist grudsätzlich normiert und somit unfrei und unmenschlich im sinne der schöpfung, nich tzuletzt, weil hier ohne achtung der menscherechte im detail einer unfreiwilligen verbildung der menschheit tür und tor geöffnet wird.
jeder mensch ist als wesenheit intuitiv und selbständig in der lage, sich sein benötigtes -, für ihn persönlich wichtiges wissen, sowohl zeitgrecht, als auch rechtzeitig für seine entwicklung ab zu holen. wir brauche uns selbst dabei nur wieder vertrauen, dann vertrauen wir auch der schöpfung, bzw. der selbst ernannten schöpfungkrone.
der mensch ist laut j.v. goethe ein werdender und sollte dies auch sein dürfen. unsere schul – und bildungssysteme entmündigen und vergewaltigen die jungmenschen in einer unartgemässen und unwürdigen form und all die nun entstehenden wiederstandformen, welche unsere erwachende gesellschaft als krankheit abtut und einstuft, um pharmazie zu verkaufen, sind nur ein spätes, aber deutliches zeichen, dass es so ist
namasté und das leben ist schön
manfred der menschialist
Hinterlasse ein Kommentar