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Fundsachen: Dekadente Bildungspolitik

März 15th, 2010 · 2 Kommentare

Guido Westerwelle sprach auf dem Landesparteitag in Nordrhein-Westfalen auch über Bildungspolitik. Denn die findet er in Berlin äußerst dekadent.

„Ich halte es für eine dekadente Entwicklung, wenn in Berlin Gymnasiumsplätze verlost werden. Die Zukunft der Menschen als Lotterielos, das ist würdelos.“(Quelle: Berliner Morgenpost)

Das Bild, das er zu vermitteln versucht: In Zukunft werden Kinder nach der Grundschule ein Los kaufen müssen. Das Schicksal entscheidet dann, ob aus ihnen was wird oder nicht. Was ist dran an dieser These? Ein klitzekleines Fünkchen Wahrheit steckt in diesem Bild. Aber Lotterielose für Gymnasialplätze wird es auch in Berlin nicht geben.

Bei der geplanten Schulreform in Berlin stand Chancengleichheit an oberster Priorität. Nach der 6-jährigen Grundschule wird es daher nur noch die Schulformen Gymnasium und Sekundarschule geben. An beiden ist Abitur möglich. Die Eltern haben weiterhin Entscheidungsfreiheit und freie Schulwahl. Da manche Schulen erfahrungsgemäß mehr Anmeldungen als Plätze haben, gibt es folgende Regelung: Die Schulen dürfen mindestens 60 Prozent der Plätze nach eigenen Kriterien selbst vergeben, bis zu 10 Prozent sind für Härtefälle gedacht. Gibt es an einer Schule mehr Anmeldungen als Plätze, werden 30 Prozent verlost. D.h. auch schwächere Schüler können es so an Wunsch-Gymnasium schaffen.

Ist das nun besonders “dekadent” oder “würdelos”? Immerhin können sich die Schulen 60 Prozent der Anmeldungen aussuchen. Mit den verlosten 30 Prozent wird dagegen erreicht, dass es auch schwächere Schüler oder Migrantenkinder an besonders bliebte Schulen (Elite-Gymnasien, Gymnasien in Wohnungsnähe) schaffen. D.h. aber nicht, das besonders gute Schüler einen Weg verbaut bekämen. Denn die zählen zu den 60 Prozent, die die Schule wahrscheinlich selbst auswählt. Außerdem: Kommt man auch durch das Los nicht auf das Wunschgymnasium, bleiben einem noch alternative Gymnasien.

Bildungssenator Zöllner verspricht sich vom neuen Verfahren eine bessere soziale Durchmischung an Gymnasien.

Das Bild vom Lotterielos, mit dem die Zukunft von Kindern entschieden wird, ist also ganz großer Quatsch.

Tags: Fundsachen · Politik · Schule

2 Antworten bis jetzt ↓

  • 1 stone // Mär 15, 2010 at 17:09

    Die Lösung finde ich sogar ausgesprochen sinnvoll … die Gründe dafür hast du ja bereits dargelegt.

    Und was der liebe Guido im Augenblick so alles von sich gibt, kann man meiner Meinung nach sowieso nicht ernst nehmen ;-)

  • 2 Marianne Hildner // Mär 16, 2010 at 10:14

    hmmm, also ich finde das was der Westerwelle macht garnicht so falsch. Ja, er polarisiert, aber vielleicht braucht es aktuell auch genau das, damit die Leute mal aufwachen udn erkennen, dass sich was ändern muss?

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