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Geld für Noten – ein Experiment

August 27th, 2009 · 10 Kommentare

Groß war das Aufsehen, als im Frühling das private Schweizer Fernsehmagazin Futura.TV sein Experiment „Geld für Noten“ ins leben rief. 23 Schülerinnen und Schülern der 2. Sekundarschule (entspricht in Deutschland der gymnasialen Oberstufe) Wiedlisbach und ihre Klassenlehrerin nahmen daran teil.

Im Experiment sollte geklärt werden, ob Schüler mehr lernen, wenn sie Geld für gute Prüfungsnoten bekommen? Futura.TV zahlte den Schülern in den Fächern Englisch und Mathematik ab der Note 4.5 folgende Beträge (In der Schweiz ist die beste Note eine 6 und die schlechteste eine 1)

4.5 = 5 Franken (3,30 Euro)
5.0 = 8 Franken (5,28 Euro)
5.5 = 10 Franken (6,60 Euro)
6.0 = 12 Franken (7,92 Euro)

Seit Ende Juli ist das Projekt beendet. Gemessen wurden 26 Prüfungen in den Fächern Englisch und Mathematik. Fazit: Wer für gute Noten Geld erhält, erbringt nicht unbedingt bessere Leistungen. Der Klassenschnitt im Fach Englisch verbesserte sich nach einem halben Jahr um lediglich 0,04 auf 4,97. In Mathematik sank der Schnitt gar um 0,1 auf 4,69. Der Fernsehsender zahlte den Schülern insgesamt 3879 Franken (ca. 2560 Euro) aus. Die „Bestverdiener“ (Höchster ausbezahlter Betrag: 269 Franken, 177,54 Euro; im Schnitt hat jeder Schüler 168 Franken, 110,88 Euro, verdient) erreichten zwar gute Noten, verschlechterten sich aber im Durchschnitt.

Alexander Wenger, Redaktor der TV-Sendung, betonte, dass auch die Schülerin mit der größten persönlichen Leistungssteigerung belohnt wurde. Sie hatte ihren Schnitt in beiden Fächern von 4,4 auf eine 5 gesteigert (Dafür erhielt Sie einen IPod Touch).

Die Klassenlehrerin der Wiedlisbacher Schüler, Sandra Bitzi, sagte, gewisse Schwankungen im Notenschnitt seien normal. Die Jugendlichen hätten gemerkt, dass sie für ihre Zukunft lernen und nicht fürs Geld. (Na ja, ob das so stimmt?)

Seit dem Start des Projektes wird nicht nur in der Schweiz darüber diskutiert, ob ob sich am Ende auch der Staat auf diese Art Bonussystem für Schüler einlassen könnte, um seine Schulen effizienter zu machen. Dazu befragte das Das Allensbach Institut fast 1000 Deutsche. Darüber, wie Eltern ihre Kinder für gute Noten belohnen, spricht Moderatorin Stephanie Heinzeller mit ihren Gästen im Bayern alpha Podcast vom April diesen Jahres.

Futura.TV ist die einzige Schweizer Fernsehsendung für Bildung und Beruf. Jede Woche werden Beiträge zu den Themen Schule, Job, Karriere, Weiterbildung, Lehre, Universität und Fachhochschule präsentiert. Der Sender wird auf fünf Regionalsendern
ausgestrahlt und erreicht pro Woche ca. 370 000 Zuschauer.

Was haltet ihr von so einem Ansatz? Bzw. sollte man Kinder überhaupt für gute Noten belohnen? Und wenn ja mit was?

Tags: Schule · Studie

10 Antworten bis jetzt ↓

  • 1 Maria_Monte // Aug 27, 2009 at 11:55

    Belohnungen sind manchmal hilfreich, vor allem, wenn ein Kind Schwierigkeiten in einem bestimmten Fach hat. Wenn man dann sagt, dass das Kind bei einer Notensteigerung eine Belohnung bekommt, ist das motivierend. Nicht gut finde ich allerdings, wenn alle Noten in Geld verrechnet werden. Dann geht es nur noch um´s Verdienen und das kann ja nicht Sinn der Sache sein. Das Lernen soll ja Spaß machen, nicht das Abkassieren ;)

  • 2 guenter_krass // Aug 27, 2009 at 12:04

    Und was – wenn erst Mal damit begonnen – der Spaß am Lernen nur aufgrund des Abkassierens kommt?

  • 3 Ariane_Bunde // Aug 27, 2009 at 12:11

    Das sehe ich genauso. Zumal nicht alle Menschen, sicher also auch nicht alle Kinder, auf die gleiche Art und Weise zu motivieren sind. Die einen haben ein intrinsisches Bedürfnis durch Leistung Anerkennung zu erreichen, andere springen auf Prestige an, wieder andere auf monetäre Anreize. Und da kommen wir wieder auf das Thema individuelle Förderung. Ich glaube, wenn wir es schaffen würden, eine möglichst individuelle Förderung in der Schule zu erreichen und den Kindern wieder Spass am lernen vermitteln, kommen wir dem Grundideal von schulischer Bildung um ein wesentliches näher!

  • 4 stone // Aug 27, 2009 at 12:49

    Geld als Motivation finde ich ebenfalls problematisch. Vor allem da bei finanziellen Belohnungen immer recht schnell ein Gewönungsfaktor eintritt.
    Nichtsdestotrotz, was haltet ihr denn von folgendem Vorschlag:
    Für alle Schüler steht ein gewisser Cashpool zur Verfügung, z.B. 20,- € pro Schüler pro Fach pro Jahr. Alle Schüler, die eine 1 oder 2 im Halbjahreszeugnis haben, dürfen diese 20,-€ behalten. Für alle anderen wird von dem Geld zusätzliche Nachhilfe im zweiten Halbjahr angeboten.

  • 5 fp // Aug 27, 2009 at 14:09

    Das gibt es doch auch in D schon lange: Die gute alte OMA.

  • 6 guenter_krass // Aug 27, 2009 at 14:10

    @stone: Von der Grundidee nicht schlecht, aber für 20 Euro Nachhilfestunden. Wie viele sollen das sein? Zwei?

  • 7 Harald // Aug 27, 2009 at 14:39

    Ist eine interessante Idee, die ich auch öfter im Kopf hatte, als ich Teenager war. Leider hab ich nie Geld bekommen und dennoch recht passable Noten geschrieben.

    Als ich die Ergebnisse gelesen habe, fiel mir irgendwie die Sendung Radio Wissen von Bayern2 zum Thema “Das Klischee im Kopf – Wie Vorurteile unser Leben Lenken” vom 24.07.09 ein (http://www.br-online.de/bayern2/radiowissen/radiowissen-vorschau-typisch-deutsch-ID1247492629212.xml). Dort wurde ein Experiment vorgestellt, bei dem Vorurteile eine Rolle spielen und sich auf die Prüfungsergebnisse auswirken.

    Ich denke auch hier gab es ein mehr an Energie dass für das Erreichen guter Noten eingesetzt wurde, und dadurch für das eigendliche Arbeiten an den Aufgaben fehlte. Vielleicht nur eine Idee, aber Anreizsysteme bei Noten scheinen auch hier den gleichen Regeln zu folgen.

  • 8 Martin // Aug 27, 2009 at 14:50

    Interessant wird es wenn man auch in die andere richtung motiviert. Ich hatte seinerzeit mit meinem Vater eine Übereinkunft die regelte das ich für gute Noten und Notenverbesserungen Geld bekam, jedoch auch für Verschlechterungen und miese Noten zu zahlen hatte.
    Die Auswirkungen auf meine Motivation schätze ich nicht als allzu groß ein, dennoch war ich mitunter dadurch weit entfernt von absoluter Gleichgültigkeit bezüglich meiner Zensuren.

    Als “Fallschirm” taugt so etwas meiner Meinung nach also schon.

    Die stärkste Maßnahme die ich bzgl. Lern-Motivation durch Geld erleben durfte war aber eine andere.
    Als meine Noten in französisch sich trotz verhältnismäßig teurer Nachhilfe nicht verbesserten wurde mir gegen Ende meiner Realschullaufbahn angedroht die Kosten der Nachhilfe aufgebürdet zu bekommen. Als ich den Taschenrechner nach dieser Ansage aus der hand legte, nahm ich sogleich meine Französischliteratur zur Hand und sorgte dafür das ich doch noch eine bessere Note im Abschlusszeugnis aufzuweisen hatte :-)

    gruß

    Martin

  • 9 Werner Prüher // Aug 27, 2009 at 15:54

    “Geld motiviert nicht” sagen die Motivationsgurus. Nur wir glauben es oft nicht so recht, weil Geld ja erstrebenswert und schön ist und sich etliche Bedürfnisse befriedigen lassen.

    Alfie Kohn geht in seinem Buch “Punished by Rewards” noch weiter und meckert generell an Noten rum: Egal ob eine Belohnung mit Geld oder mit einer guten Note: Beides killt Motivation. Leider wurde das Buch nie ins Deutsche übersetzt. Ein paar Grundaussagen habe ich vor einiger Zeit hier frei übersetzt:

    http://lernenheute.wordpress.com/2007/08/12/der-unsinn-mit-den-noten-in-der-schule/

  • 10 Ronaldo // Aug 27, 2009 at 22:45

    Offensichtlich ist auch bei dieser Diskussion, dass jeder Mensch anders ist. Daraus folgt auch die Notwendigkeit im Einzelfall nach Alter, persönlichen Präferenzen/Lieblingsfächern und Lernmethoden zu unterstützen. Sicherlich ist der Umgang mit Geld für das Leben wichtig, aber in der Grundschule beispielsweise halte ich den Einsatz von Geld für falsch. Für eine deutliche Verbesserung der Zeugnis-Note in einem Fach ist der finanzielle Ansporn grundsätzlich ok, aber auch dass hängt von der individuellen Situation ab. Die Investition in eine Notenverbesserung durch Nachhilfeunterricht ist ebenfalls ein mögliches Konzept, falls andere “Karotten” nicht funktionieren;) Ich glaube dennoch, dass der natürliche Ehrgeiz ausreichen sollte, um erfolgreich durch die Schulzeit zu kommen. Das klappt heute nach meiner Erfahrung aber auch nur, wenn die Eltern ihre Kinder an das richtige Lernen heranführen und begleiten (bis sie die Unterstützung nicht mehr benötigen).

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