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Lehrer – Qualität statt Quantität?

Februar 19th, 2010 · Keine Kommentare

Mathe, Deutsch, Englisch oder Sport – sie beherrschen Theorie und Praxis, doch können Sie das auch anderen, nämlich Kindern und Jugendlichen, vermitteln? Hand auf´s Herz – wer hatte früher keinen Lehrer, der entweder total überfordert oder cholerisch, unsicher oder dauerkrank war? Oder einfach nur schlecht erklären konnte? Und dann gab es noch die Alkoholiker, die heimlich in der Stunde raus gingen, um den Pegel zu halten. Warum ist das so?

Das Lehramtstudium in Deutschland ist meist eins – praxisfern. Erziehungswissenschaften nehmen je nach Bundesland nur 5-20 Prozent der Ausbildungszeit ein. Psychologie, Pädagogik und Didaktik kommen dabei zu kurz. Zusätzlich wählen rund 50 Pozent der angehenden Lehrer nicht wegen pädagogischer Ideale diesen Beruf – oft ist Bequemlichkeit, ein sicherer und familienfreundlicher Arbeitsplatz der Anlass zur Berufswahl. Es gibt weder Zulassungprüfungen vor dem Studium, noch fällt kaum jemand durch die Lehrerprüfung. Das ist zum Teil politisch toleriert, denn 2015 gehen Hunderttausend Lehrer in den Ruhestand: Der Lehrermangel wäre quasi vorprogrammiert. Und so werden oft die Falschen auf ganze Schulklassen losgelassen, klagen später über Überforderung und Burn-Out. Lehrer müssen also keinerlei Qualitätskontrollen durchlaufen – ein Prozess, der bei anderen Berufen wie Polizist, Feuerwehrmann oder Pilot Standard ist. Hier werden vor Ausbildungsbeginn Test absolviert sowie psychologische und physiologische Profile erstellt, um eine Berufseignung zu gewährleisten.

Lösungsansätze zur Qualitätskontrolle der Lehrer sind aber in Sicht. Die Technische Universität München zum Beispiel eröffnete im Oktober 2009 die School of Education, die erste deutsche Fakultät für Lehrerbildung und Bildungsforschung. Die TUM School of Education bildet für die Lehrämter an Gymnasien und an Beruflichen Schulen aus, die Schwerpunkte sind MINT-Fächer. Studienanfänger können sich für den Bachelor mit dem anschließenden Master of Education bewerben, das heißt – nicht jeder wird zum Studium zugelassen.

Bildung ist die Hauptressource in Deutschland. Bestens qualifizierte Lehrkräfte sind der Dreh- und Angelpunkt des Bildungssystems. Gerade in den MINT-Fächern sind sie als Multiplikatoren wichtig, um bei jungen Menschen Begeisterung für diese Gebiete zu wecken. Nur so kann in der Gesellschaft ein grundlegendes Verständnis von Naturwissenschaft und Technik und damit die intellektuelle Binnenkultur und die Prosperität der Wirtschaft gesichert werden. Um exzellenten Nachwuchs für die Universitäten und die Wirtschaft zu sichern, brauchen wir exzellente Lehrerinnen und Lehrer.

Für die Lehrerbildung sollen vor allem aufgeweckte junge Menschen gewonnen werden, die den vielfältigen fachlichen, pädagogischen wie persönlichen Anforderungen des Lehrerberufs gerecht werden können. Daher müssen die Studierenden Auswahlgespräche und Eignungsfeststellungsverfahren bestehen.

Viel Wert wird generell auf die Praxiserfahrung der Studierenden gelegt. Sie erhalten frühzeitig und über einen längeren Zeitraum die Chance, sich mit dem Schulalltag und mit dem gesamten Spektrum der Lehrertätigkeit vertraut zu machen. Daher finden intensive Praktika an Partner-Schulen bereits in den ersten vier Studiensemestern statt. Zusätzliche bilden Kurse in Fachdidaktiken, Motivationspsychologie und Bildungswissenschaften einen Schwerpunkt.

An weiteren Aufbaustudiengängen an der School of Education wird bereits gefeilt: Eine Weiterbildung zur schulischen Führungskraft (Rektor) mit dem Schwerpunkt Schulmanagement- und -leitung soll es hier bald geben.

Das lässt hoffen – und zwar auf einen großen Schwung motivierte Lehrer, die ihren Beruf gern machen.

Via Geo Wissen – Die ideale Schule

Tags: MINT · Schule

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