Sie schaffen oft keinen Abschluss, haben miese Noten und finden meist keine Lehrstellen. Die Rede ist von Hauptschülern. Jetzt hat Bundesbildungsministerin Schavan einen Rettungsplan veröffentlicht: Mit 3200 Bildungslotsen und einer betreuenden “Bildungskette” will sie Lehrstellen für 60.000 Hauptschüler organisieren und somit die Quote der Schulabbrecher unter den Hauptschülern senken.
Ausgangspunkt der “Bildungsketten” ist eine ausführliche individuelle Analyse der Fähigkeiten und Interessen von besonders gefährdeten Jugendlichen (z.B. mit Migrationshintergrund) in enger Zusammenarbeit mit der Schule ab der 7. Klasse. Dabei sollen berufliche Neigungen und Potenziale der Schüler erkundet werden. Zugleich soll den Jugendlichen in Zusammenarbeit mit Unternehmen und Ausbildungsstätten ein früher Einblick in die Berufspraxis vermittelt und Verbindungen zu einem Betrieb aufgebaut werden.
Für das Programm will Schavan in Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit bundesweit 3200 Berufseinstiegsbegleiter einsetzen, davon 1000 Senior-Experten, also Praktiker mit Berufserfahrung. Rein rechnerisch würde damit jeder Bildungslotse 18 Schüler betreuen.
Die Frage ist nur, hat die Hauptschule überhaupt noch eine Existenzberechtigung? Denn – für welche Berufe reicht heute noch der Hauptschulabschluss aus? Früher konnte man mit einem guten Hauptschulabschluss eine Lehre als Kaufmann machen – heute wird es da schon mit einem Realschulabschluss schwierig. Und auch für handwerkliche Berufe ist nicht nur mehr Wissen gefragt, sondern auch die Fähigkeit zu Transferleistungen. Kann also die Hauptschule überhaupt das beruflich nötige Grundwissen vermitteln – wie Rechnen, Schreiben, Elektrotechnik und EDV-Kenntnisse? Oder wäre das Konzept der Gemeinschaftsschule wie in NRW oder Berlin nicht der einfachere Weg, auch lernschwachen Jugendliche auf bestimmten Gebieten die Chance zur Förderung zu geben?
Ich bin jedenfalls sehr gespannt, ob das wirklich zielführend ist. Außerdem würde mich brennend interessieren, wie viel das Projekt kostet und woher die ganzen Bildungslotsen kommen sollen (haben die pädagogischen Background oder sind das Rentner, die nebenbei ein paar Schüler betreuuen???).



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