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Von Bienchen und Blümchen

März 4th, 2010 · 3 Kommentare

Wie war das nochmal im Aufklärungsunterricht in der Schule? Der Lehrer malt ein weibliches Geschlechtsorgan an die Tafel, das gewisse Ähnlichkeiten zu einem illustrierten Kuhkopf aufweist, dann fällt das Wort “Penis”, die Mädchen kichern, die Jungs machen blöde Witze und am Ende wird ein Video über die Geburt gezeigt – so mit vollem Zoom auf das Zentrum des Geschehens – und alle sind nur noch angeekelt. Naja, so war´s früher jedenfalls. Heute scheint das nicht mehr so einfach zu sein.

Oft fängt das Halbwissen rund um den Sex schon viel früher an, außerhalb des Schulgeländes. Die Story von den Bienchen und Blümchen ist von vorgestern. Im Radio schnappen Jugendliche schon mal Wörter wie “Bondage” oder “Gangbang” auf, im Internet landen sie auf Sexseiten wie YouPorn (das verlinke ich mal an dieser Stelle nicht) und tragen das ein oder andere Pornovideo auf ihrem Handy herum. Auch in TV und Film werden sie mit einschlägigen Begriffen und Szenen bombadiert. Und dann stellen sie Eltern und Lehrern sehr direkte und private Fragen, die zu beantworten den ein oder andern überfordert oder sogar beschämt. Gerade Lehrer werden während ihrer Ausbildung nicht auf die Sexualerziehung vorbereitet. Wissen oft nicht, wie sie mit den Fragen der Schüler im Unterricht umgehen sollen. Das ist schade, denn theoretisch wäre die Schule der ideale Ort, um ein paar verquere Vorstellungen gerade zu rücken, die der Konsum von Prono-Bildern und -Texten mit sich bringen kann. Die Schule erreicht in Deutschland nämlich alle Minderjährigen, auch die aus sozialen Randbezirken, wo “Porno-Rapper” oft und gern gehört werden.

Karla Etschenberg, ehemalige Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Geschlechtserziehung, fordert daher den Einsatz von Pornos in der Schule.

Dabei ist die ehemalige Biologielehrerin alles andere als eine Freundin von Sex-Clips: “Das ist wie das Einbringen von Giftstoffen in die Umwelt” – die Teenager bekämen die Bilder nicht mehr aus dem Kopf. Gerade deshalb hat Etschenberg einen Plan entworfen, wie sich Porno-Clips in den Unterricht einbauen ließen. Nur für die Schüler, die es wirklich besprechen wollen. Und nur mit Zustimmung der Eltern. (Quelle Spiegel)

Als guten Startpunkt sieht sie das Vokabular des Porno-Raps: Wie werden Frauen da bezeichnet? Was haltet ihr davon? Im Gespräch über solche Textsequenzen könne man die Merkmale von Pornografie herausarbeiten und besprechen.

Bei Musik leuchtet mir das ein, aber muss man deshalb auch Pornos ansehen? Ich finde das schon etwas zu weit gehend, denn wie Frau Etschenberg selbst erklärt, sind das Bilder, die sich bei Kindern und Jugendlichen sehr stark einprägen und die ihnen meiner Meinung ein komplett falsches Bild von Sexualität vermitteln. Dazu kommt, dass der “Konsum” von Pornos unter 18 Jahren verboten ist – zu Recht.

Trotzdem, eine Anpassung an die Kinder von heute ist wünschenswert. Leher und Eltern sollten offen auf Fragen antworten. Und letztere sollten überprüfen, was ihre Kinder im Fernsehen und Internet anschauen, welche Musik sie hören, damit sie sich intensiv mit ihren Kindern über das Thema auseinander setzen können. Denn die Eltern sollten nicht unbedingt den Lehren den “schwarzen Peter” zuschieben und sie Versäumnisse in der Aufklärung ausbaden lassen.

Via Spiegel Online

Tags: Schule

3 Antworten bis jetzt ↓

  • 1 Maria Leier // Mrz 4, 2010 at 19:43

    Hallo!
    Ein toller Beitrag! Ich kann mich noch gut erinnern wie unser Leherer damals in Bio mit uns Sexualkunde gemacht hat. Das war total peinlich und keiner hat so richtig aufgepasst, die Jungs haben nur doofe Witze gemacht, der Lehrer war dann frustriert und das Thema erledigt. Schade eigentlich. Weil ich finde dass das ein ganz wichtiges Thema ist. Viele Leute in meinem Alter tun zwar so als wüßten sie voll Bescheid, aber dann werden Mädchen mit nicht mal 15 schwanger und jeder wundert sich. Ich würde mir wünschen dass Lehrer auf das Thema besser vorbereitet werden und man vielleicht sogar gutes Unterrichtsmaterial bekommen könnte. Das würde bestimmt viel helfen!

  • 2 Markus // Mrz 4, 2010 at 21:27

    Hallo Maria, was Du schreibst stimmt sicher auf viele Schulen. Bei uns war das anders. Unser Lehrer war da total cool, auch wenn wir uns genauso bescheuert angestellt haben wie du schreibst. Er hat viel mit uns diskutiert, viele Fragen gestellt und uns so bewußt gemacht, dass Sex kein Spiel ist, bei dem nur der gewinnt, der cool und unbeteiligt ist. Er hat uns auch einen Film gezeigt. Das war aber kein Porno in dem Sinn, sondern eher ein Film in dem junge Leute über ihre Ängste reden. Wo er den her hat keine Ahnung. Aber gut war das schon.

  • 3 Maria_Monte // Mrz 5, 2010 at 15:08

    @Markus
    Ich denke, dass hängt wirklich von der Persönlichkeit des Lehers ab. Toll, dass er sich so viel Mühe geben hat.

    @Maria: Danke für das Lob.

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